Informationen für Ärzte

Betreuung von Eltern, die ihr Kind während der Schwangerschaft, unter der Geburt oder kurz nach der Geburt verlieren


Ein Kind pränatal oder perinatal zu verlieren ist für Eltern ein traumatisches Erlebnis. Jedoch ist auch die Betreuung dieser Eltern für Gynäkologen und Hausärzte eine emotional belastende Aufgabe.

Eltern, die in frühen Schwangerschaftwochen ihr Kind verloren haben bekommen hier die Möglichkeit, ihre Kinder zu betrauern.

Die Vorbereitung auf eine Abrasio oder die stille Geburt, das Abschiednehmen und die Möglichkeit, den Verlust zu betrauern, ist für die betroffenen Eltern ein wichtiger Prozess, der von medizinischer Seite angeregt und begleitet werden sollte. Natürlich bestimmen hier die Eltern, ob Beratung und/oder Begleitung erwünscht ist.

Neben einer intensiven psychischen Betreuung ist die Information der Eltern über ihre Rechte und Möglichkeiten – etwa bezüglich der Bestattung – nach einem prä- oder perinatalen Verlust des Kindes wichtig und z.T. durch den Gesetzgeber gefordert (siehe unten). Hebammen und niedergelassene Ärzte können Beratungsangebote vermitteln und dabei helfen, Berührungsängste mit diesem tabuisierten Thema abzubauen.

Die Sternenkinderambulanz im AGAPLESION Bethesda Krankenhaus Wuppertal unterstützt Ärzte und Pflegeteams bei dieser Aufgabe. Zudem bieten wir Fachkräften Schulungen und Konzeptionen an, um Berührungsängste im Umgang mit verstorben geborenen Kindern und deren Eltern zu verringern.

 

 

Gesetzliche Grundlagen für Ärzte

 

In der Bundesrepublik Deutschland wird das Personenstandswesen durch das Personenstandsgesetz (PStG) und  die dazugehörige Ausführungsverordnung (PStV) geregelt.

 

PStV § 31 Lebendgeburt, Totgeburt, Fehlgeburt

(1) Eine Lebendgeburt liegt vor, wenn bei einem Kind nach der Scheidung vom Mutterleib entweder das Herz geschlagen oder die Nabelschnur pulsiert oder die natürliche Lungenatmung eingesetzt hat.

 (2) Hat sich keines der in Absatz 1 genannten Merkmale des Lebens gezeigt, beträgt das Gewicht der Leibesfrucht jedoch mindestens 500 Gramm, gilt sie im Sinne des § 21 Abs. 2 des Gesetzes als ein tot geborenes Kind.

 (3) Hat sich keines der in Absatz 1 genannten Merkmale des Lebens gezeigt und beträgt das Gewicht der Leibesfrucht weniger als 500 Gramm, handelt es sich um eine Fehlgeburt. Sie wird in den Personenstandsregistern nicht beurkundet.

 (4) Eine Fehlgeburt ist abweichend von Absatz 3 als ein tot geborenes Kind zu beurkunden, wenn sie Teil einer Mehrlingsgeburt ist, bei der mindestens ein Kind nach Absatz 1 oder 2 zu beurkunden ist; § 21 Abs. 2 des Gesetzes gilt entsprechend.

 

Für die Bestattung gilt:

Im Jahr 2003 trat in Nordrhein-Westfalen das neue Bestattungsgesetz in Kraft. In ihm werden Regelungen zur Bestattung von Kindern, die durch Fehl- oder Totgeburt zur Welt kommen, festgeschrieben. Mit dem Gesetz werden aber auch die Rechte der Betroffenen gestärkt. Eltern haben demnach das Recht, ihre Kinder unabhängig von der Schwangerschaftswoche persönlich bestatten zu lassen.
 

Gesetz über das Friedhofs- und Bestattungswesen (Bestattungsgesetz – BestG NRW)

vom 17. Juni 2003 (GV. NRW S. 313 

 

§ 8 BestG NRW(Gesetz) - Landesrecht Nordrhein-Westfalen Bestattungspflicht

(2) Die Inhaber des Gewahrsams haben zu veranlassen, dass Leichenteile, Tot- oder Fehlgeburten sowie die aus Schwangerschaftsabbrüchen stammenden Leibesfrüchte, die nicht nach § 14 Abs. 2 bestattet werden, ohne Gesundheitsgefährdung und ohne Verletzung des sittlichen Empfindens der Bevölkerung verbrannt werden.

§ 14 BestG NRW(Gesetz) - Erdbestattung, Ausgrabung

(2) Tot- und Fehlgeburten sowie die aus einem Schwangerschaftsabbruch stammende Leibesfrucht sind auf einem Friedhof zu bestatten, wenn ein Elternteil dies wünscht. Ist die Geburt oder der Schwangerschaftsabbruch in einer Einrichtung erfolgt, hat deren Träger sicherzustellen, dass jedenfalls ein Elternteil auf diese Bestattungsmöglichkeit hingewiesen wird. Liegt keine Erklärung der Eltern zur Bestattung vor, sind Tot- und Fehlgeburten von den Einrichtungen unter würdigen Bedingungen zu sammeln und zu bestatten. Die Kosten hierfür trägt der Träger der Einrichtung.

 

Auszug aus dem Bestattungsgesetz NRW

(BstG NRW; G. v. 04.06.2003)

Nicht erlaubt ist die Bestattung der Kinder, die durch eine Tot- oder Fehlgeburt zu Welt kommen, außerhalb eines Friedhofes (BestG NRW § 19 Ordnungswidrigkeiten Absatz 6).


Bestattungsgesetze anderer Bundesländer

Auszug aus dem Bestattungsgesetz Bayern

(Art. 6; G v. 26. 7. 2005, 263)

(1) 1 Für eine totgeborene oder während der Geburt verstorbene Leibesfrucht mit einem Gewicht von mindestens 500 Gramm (Totgeburt) gelten die Vorschriften dieses Gesetzes und die auf Grund dieses Gesetzes ergangenen Rechtsvorschriften über Leichen und Aschenreste Verstorbener sinngemäß.

(1) 2 Eine totgeborene oder während der Geburt verstorbene Leibesfrucht mit einem Gewicht unter 500 Gramm (Fehlgeburt) kann bestattet werden.

(1) 3 Sofern Fehlgeburten nicht nach Satz 2 bestattet werden, müssen sie, soweit und solange sie nicht als Beweismittel von Bedeutung sind, durch den Verfügungsberechtigten auf einem Grabfeld zur Ruhe gebettet oder, wenn dies nicht möglich oder zumutbar ist, durch den Inhaber des Gewahrsams unter geeigneten Bedingungen gesammelt und in bestimmten zeitlichen Abständen auf einem Grabfeld zur Ruhe gebettet werden.

(1) 4 Fehlgeburten können aber auch hygienisch einwandfrei und dem sittlichen Empfinden entsprechend eingeäschert und dann auf einem Grabfeld zur Ruhe gebettet werden.

(1) 5 Verfügungsberechtigte sind unverzüglich in angemessener Form vom Inhaber des Gewahrsams über ihr Bestattungsrecht nach Satz 2 und ihre Pflichten nach Satz 3 zu unterrichten.

(1) 6 Nach Einwilligung des Verfügungsberechtigten können Fehlgeburten auch für medizinische oder wissenschaftliche Zwecke herangezogen werden.

(1) 7 Sobald Fehlgeburten nicht mehr diesen Zwecken dienen, sind sie nach Satz 3 oder 4 auf einem Grabfeld zur Ruhe zu betten, sofern sie nicht nach Satz 2 bestattet werden.

(2) Für aus Schwangerschaftsabbrüchen stammende Feten und Embryonen finden Abs. 1 Sätze 2 bis 7 entsprechende Anwendung.


Auszug aus dem Bestattungsgesetz Baden-Württemberg

(BestattG 21.07.1970)
§ 30 Bestattungspflicht (geändert am 28.03.2009)


(1) Jede Leiche muss bestattet werden. Hierzu zählen auch alle totgeborenen Kinder und in der Geburt verstorbenen Leibesfrüchte mit einem Gewicht von mindestens 500 Gramm (Totgeburt).

(2) Fehlgeburten sind totgeborene Kinder und während der Geburt verstorbene Leibesfrüchte mit einem Gewicht unter 500 Gramm. Fehlgeburten sind auf Verlangen eines Elternteils auf Kosten der Eltern zu bestatten; § 46 Abs. 4 gilt entsprechend. Ist die Geburt in einer Einrichtung erfolgt, hat deren Träger sicherzustellen, dass mindestens ein Elternteil auf diese Bestattungsmöglichkeit hingewiesen wird. Jede aus einem Schwangerschaftsabbruch stammende Leibesfrucht (Ungeborenes) gilt als Fehlgeburt und ist als solche nach Satz 2 und 3 zu behandeln. Liegt keine Erklärung mindestens eines Elternteils nach Satz 2 vor, sind Fehlgeburten und Ungeborene von den Einrichtungen unter würdigen Bedingungen zu sammeln und zu bestatten. Die Kosten hierfür trägt der Träger der Einrichtung.

(3) Fehlgeburten und Ungeborene, die nicht bestattet werden, dürfen allein wissenschaftlichen Zwecken dienen. Für die Verwendung zu wissenschaftlichen Zwecken muss vorher die Zustimmung beider Elternteile vorliegen. Die wissenschaftliche Einrichtung muss für die Bestattung der Fehlgeburten und Ungeborenen sorgen, sobald sie nicht mehr wissenschaftlichen Zwecken dienen.

Viele Informationen aus dieser Webseite finden Sie auch in unserem Booklet, welches Sie auf der Seite des jeweiligen Standortes finden.

Sollten Sie weitere Fragen haben, sprechen Sie uns oder ein Bethanien-Sternenkinderprojekt in Ihrer Nähe an.

 

069 / 95932370-0

 

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